Lac du Mont-Cenis
Am Lac du Mont-Cenis überquerten wir bei spektakulären Lichtspielen die Grenze von Italien aus und unternahmen von der Passhöhe aus zunächst eine kleine Willkommenswanderung. Bei winterlichen Temperaturen um die 7° C – die umliegenden Berge waren frisch gepudert – ging es in die kargen Höhen oberhalb des Sees.






Hoch über dem See in traumschöner Landschaft gelegen zeugt das 1877 bis 1880 erbaute und bis in den Zweiten Weltkrieg genutzte italienische Fort Roncia von der wenig friedlichen Vergangenheit Europas. Angesichts der zahlreichen Kriege, die auf diesem Kontinent in den letzten Jahrhunderten ausgefochten wurden, ruft dieses Mahnmal erneut Unverständnis über die nationalistischen und EU-feindlichen Tendenzen hervor, die sich in so vielen Ländern Europas ausbreiten wie ein Pestgeschwür.




Pont du Diable
Auch einige Kilometer weiter erinnern die sardischen Forts Victor-Emmanuel und Marie-Thérèse erneut an die kriegerischen Zeiten Europas. Auf beiden Seiten der tiefen Schlucht des Arc gelegen bewachten sie diese strategisch wichtige Passage. Heute kann man die Schlucht auf der Pont du Diable, die ihrem Namen alle Ehre macht, spektakulär überqueren.

Colombier-le-Vieux

Nach drei Monaten unterwegs in Europa ohne viele Verschnaufpausen fühlten wir uns etwas „abgereist“. Und um zur Ruhe zu kommen, gibt es natürlich nichts Besseres als Colombier-le-Vieux – aufmerksame Leser der Berichte zu unserem ersten Sabbatjahr wissen das. Die Programmpunkte in diesem Jahr (gewisse Überschneidungen mit den letzten Besuchen sind nicht zu vermeiden):

Zunächst stand ein Besuch auf einer nahegelegenen Ziegenfarm an: Die Viecher sind unglaublich kommunikativ und kuschelig und liefern vorzüglichen Käse!

Natürlich standen wieder der Markt in Lamastre und diverse Flohmärkte auf dem Programm – unter anderem der Besuch auf dem eher bescheidenen Flohmarkt in Annonay, der aber mit einem Stadtfest mit einer tollen slowenischen Jazz-Band verbunden war – tolle Stimmung, gute Musik. Vor allem die tiefenentspannte Sängerin, die während des Konzerts nebenbei ihre süße, etwa dreijährige Tochter bespaßte, und der Trompeter begeisterten.




Wie üblich spielten auch die gemeinsamen Mahlzeiten eine nicht unwichtige Rolle – zumal die Zubereitung für die große Gruppe doch immer wieder eine logistische Herausforderung bietet.



Colombier ohne Eisenbahn zumindest zu gucken, geht natürlich nicht. Erneut gelang es, einen Teil der Reisegruppe – entsprechend zünftig gekleidet – auf der Lok unterzubringen.



Kurz hatten wir darüber nachgedacht, ein wenig Abwechslung in unser Sabbatjahr zu bringen und die Fortbewegungsart zu wechseln. Trotz sympathischer Mitreisender entschieden wir uns aber doch dagegen. Zum einen zeigte Ronja sich wenig begeistert, zum anderen wollten wir den Granny, der sich im letzten Jahr als treuer Weggefährte erwiesen hatte, dann doch nicht zurücklassen.
Vercors
Von Colombier aus wollten wir langsam Richtung Heimat tingeln und dabei noch Freunde aus dem ersten Sabbatjahr in der Nähe von Ravensburg besuchen. Als erstes Ziel bot sich da der Gebirgszug Vercors an, den wir von mehreren Durchfahrten kannten und der uns sehr für eine genauere Erforschung reizte. Der Vercors liegt in den Départments Isère und Drôme östlich der Rhône und bildet mit Gipfeln bis über 2300 Metern die westlichsten Ausläufer der französischen Alpen. Spannend ist er wegen seiner Topographie: Er besteht aus mehreren mittelgebirgsartigen Hochplateaus, die steil in sechs- bis achthundert Meter hohen Felswänden zum Rhônetal und zu den Flüssen Isère, Drôme und Drac abfallen.


Col de la Bataille
Von diesem Pass hat man tolle Ausblicke auf die Hautes Plateaux du Vercors. Ein kleiner Spaziergang auf die Felskuppe oberhalb des Tunnels lohnt hier in jedem Fall.


Combe Laval
Wegen der schroff ansteigenden Felsen konnte der Vercors erst im Laufe des 20. Jahrhunderts durch Straßen erschlossen werden, die zum Teil aufwendig in den Fels gesprengt werden mussten. Eine der spektakulärsten dieser Pisten ist der Combe Laval. Über eine Strecke von drei Kilometern ist die schmale Straße hier in die steile Felswand gebaut und durchquert dabei zahlreiche kurze Tunnel. Eine Wanderung oberhalb der Straße führte leider nur an einer Stelle unmittelbar an den Felsabbruch heran und bot einen atemberaubenden Blick.


Gorges de la Bourne
Einige Kilometer östlich hat die Bourne eine tiefe Schlucht in die Hochebene des Vercors gefräst. Auf der Suche nach einem Klettergebiet, das dann allerdings unsere bescheidenen Möglichkeiten überstieg, sind wir zunächst in steilen Serpentinen auf einer teilweise ebenfalls in die Felswand gebauten Straße nach Norden aus den Gorges de la Bourne auf die Höhe gefahren.
Bei einer Wanderung entlang des südlichen Rands hatten wir anschließend ebenfalls grandiose, aber zu feuchten Händen führende Blicke in das 800 Meter tiefer liegende Tal. Hier oben, auf fast 1100 Metern, fanden wir auch einen ruhigen und kühlen Übernachtungsplatz mitten im Wald.




Grands Goulets
Bei den Grands Goulets, den Großen Engpässen, war die Vernaison für die spektakuläre Schlucht zuständig, die sich hinunter zur Bourne schlängelt. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurde diese Schlucht durch eine einspurige Straße mit nur wenigen Ausweichstellen, aber dafür umso zahlreicheren Tunneln erschlossen, wie hier auf einem historischen Foto von 1900 zu sehen ist (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Grands_Goulets#/media/Datei:Le_Dauphin%C3%A9_-_Les_Grands_Goulets_(34569240815).jpg). Im Januar 1944 nutzte die Wehrmacht diese Straße, um in die Partisanenrepublik République du Vercors vorzudringen. Die Résistance hatte die unzugänglichen Hautes Plateaux du Vercors als Rückzugsort genutzt. 20 Résistance-Kämpfer wurden bei diesem Unternehmen getötet. Im Juli 1944 versuchten die Deutschen dann, in einer groß angelegten Aktion das lästige Widerstandsnest endgültig „auszuräuchern“. Bei diesem schrecklichen Kriegsverbrechen wurden 840 Widerstandskämpfer und Zivilisten getötet.
Nach mehreren Felsstürzen wurde der obere Teil der Straße 2005 dauerhaft gesperrt und 2008 durch einen 1700 Meter langen Tunnel ersetzt. Bestrebungen, die alte Straße als Touristenattraktion für Fußgänger freizugeben, wurden bisher leider nicht in die Tat umgesetzt. So blieb uns nur die tolle Wanderung zu einem Aussichtspunkt hoch über der Schlucht.



Beauvoir-en-Royans
Ein standesgemäßes Nachtquartier fanden wir im Anschluss auf einem bezaubernden kleinen Campingplatz auf dem Gelände des Château de Beauvoir in Beauvoir-en-Royans. In der Nähe waren noch einige nette Wanderungen möglich. Auch ein Klettergebiet mit wunderbar einfachen Routen war von hier aus gut erreichbar. So hatten wir hier noch einige nette Tage, bevor es dann am 25. Juli wieder Richtung Heimat ging. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Nähe von Ravensburg, wo wir liebe Freunde aus dem ersten Sabbatjahr besuchten, ging es dann am 27. Juli endgültig nach Hause.












